Sulbutiamin

Sulbutiamin ist ein fettlösliches Thiamin-Derivat. Es gilt als Energiebooster und wird in Frankreich verwendet, um Erschöpfung und Müdigkeit zu behandeln. Außerdem kann es die Verdauung anregen, das Gedächtnis verbessern und das Gehirn schützen, allerdings ist die Studienlage hierzu begrenzt. Lesen Sie weiter, um mehr über die gesundheitlichen Vorteile von Sulbutiamin, die Dosierung und mögliche Nebenwirkungen zu erfahren.

Was ist Sulbutiamin?

Japanische Wissenschaftler entwickelten Sulbutiamin in den 60er Jahren, während sie Behandlungsmöglichkeiten für Thiaminmangel erforschten. Handelsnamen für diese Verbindung sind Enerion und Arcalion [1].

Sulbutiamin wird synthetisch hergestellt, indem zwei Thiamin (Vitamin B1) Moleküle miteinander verbunden werden. Sulbutiamin ist fettlöslicher als Thiamin, so dass es leichter ins Gehirn gelangen kann (die Blut-Hirn-Schranke überwinden) [2].

Sulbutiamin steigert die Thiamin-Konzentration im Gehirn stärker als andere Thiamin-Formen [34].

Zwischenfazit

Befürworter:

  • Reduziert Müdigkeit
  • Kann die Gedächtnisleistung verbessern
  • Schützt das Gehirn und die Nerven
  • Könnte die Verdauung anregen

Skeptiker:

  • Für die meisten Anwendungsgebiete fehlt die klinische Evidenz
  • Langzeitsicherheit ist unbekannt

Wirkmechnismus

  • Kann den Thiamin- (und Thiaminderivat-) Spiegel mehr erhöhen als Thiamin selbst [1].
  • Erhöht die Dopamin- (D1) und Glutamat-Aktivität in Regionen des Gehirns, die an der Entscheidungsfindung beteiligt sind (wie z.B. der präfrontale Kortex) [5, 6].
  • Unterstützt die psychische Stabilität (indem es die Wirkung von Glutamat auf Dopamin verändert) [5].
  • Reduziert den Zelltod im Gehirn (durch die Erhöhung von Glutathion) [7, 8].
  • Erhöht den Energiebedarf im Gehirn (durch die Erhöhung von Thiamintriphosphat) [4].
  • Unterstützt die Gedächtnisbildung (durch Steigerung der Aktivität im Hippocampus) [9].

Gesundheitsvorteile von Sulbutiamin

Potentiell wirksam:

1) Fatigue (Ermüdung)

In einer Studie mit 1.772 Patienten mit Infektionskrankheiten und chronischer Müdigkeit half Sulbutiamin (zusammen mit einer antiinfektiösen Therapie) bei geringer Antriebskraft.  Zweiundfünfzig Prozent der Patienten bemerkten einen deutlichen Stimmungsanstieg und eine Verbesserung der Lebenskraft [10].

326 Patienten mit chronischer Müdigkeit (Post-Infektiös) wurden mit Sulbutiamin oder einem Placebo behandelt. Einige Personen spürten einen Energiezuwachs durch Sulbutiamin, allerdings sind die Ergebnisse nicht repräsentativ [11].

Sulbutiamin reduzierte Erschöpfungszustände um 44% bei 341 Patienten mit chronischer Fatigue, aber dieser Studie fehlte die Placebo-Kontrollgruppe [12].

In einer weiteren nicht kontrollierten Studie mit 40 Teilnehmern verbesserte die Behandlung mit Sulbutiamin (400 mg täglich für 1 Monat) die meisten Symptome von schweren Depressionen, Angstzuständen und Erschöpfung deutlich (75%) [13].

36 Patienten mit chronischer Schwäche aufgrund von posttraumatischen Belastungsstörungen wurden entweder mit Piracetam oder Sulbutiamin behandelt. Sulbutiamine war wirksamer in der Verbesserung von Kraft und Leistungsfähigkeit als Piracetam [14].

Nicht ausreichende Evidenz:

Es gibt keine stichhaltigen klinischen Nachweise, die den Einsatz von Sulbutiamin für eine der in diesem Abschnitt genannten Beschwerden stützen. Im Folgenden findest du eine Zusammenfassung aktueller Tierstudien, zellbasierter Forschung oder klinischer Studien mit geringer Qualität, die zu weiteren Untersuchungen anregen sollten. Sie sollten jedoch nicht als Beleg für einen medizinischen Nutzen interpretiert werden.

2) Verbesserung der Gedächtnisleistung

In Kombination mit Donepezil verbesserte Sulbutiamin das Gedächtnis einer Studie zufolge bei 26 Patienten mit Morbus Alzheimer [16].

Sulbutiamin verbesserte das Langzeitgedächtnis bei Ratten. Dies liegt an der Zunahme von Neurotransmittern (wie z.B. Cholin), die die Gedächtnisleistung verbessern können [69].

3) Diabetische Neuropathie

Durch einen hohen Blutzuckerspiegel bei Diabetikern können Nervenschäden verursacht werden. Eine 6-wöchige Gabe von Sulbutiamin (400 mg täglich) bei 15 Patienten mit Diabetes verbesserte die Nerven- und Muskelfunktion signifikant [17].

4) Erektile Dysfunktion

Eine 30-tägige Sulbutiaminbehandlung stellte die sexuelle Leistungsfähigkeit bei 16 von 20 Patienten mit erektiler Dysfunktion wieder her, allerdings fehlte in der Studie eine Placebo-Kontrollgruppe [18].

5) Verdauungsbeschwerden

In einer Studie an 33 Patienten verbesserte Sulbutiamin die Verdauung nach einer Nierenoperation. Zudem verbesserte es den Darmfluss in Gewebestudien signifikant, allerdings ist die klinische Bedeutung dieses Effekts unklar [1920].

Tierversuche und zelluläre Forschung (Mangelnde Evidenz)

Keine klinischen Daten sprechen für die Anwendung von Sulbutiamin bei einer der in diesem Abschnitt aufgeführten Beschwerden. Nachfolgend ist eine Zusammenfassung der vorhandenen tier- und zellbasierten Forschung. Sie sollten als Leitfaden für weitere Forschungsarbeiten dienen, aber nicht als Bestätigung für einen gesundheitlichen Nutzen interpretiert werden.

1) Neuroprotektion

Gehirnzellen, die ohne Nährstoffe auskommen mussten und mit Sulbutiamin versorgt wurden, lebten wesentlich länger als solche, die nicht damit versorgt wurden [8].

Zusätzlich verbesserte Sulbutiamin die Lebensdauer von Hirnzellen, denen Sauerstoff und Zucker entzogen wurde. Es erhöhte auch die Aktivität im gedächtnisbildenden Teil des Gehirns (Hippocampus) [21].

2) Antioxidative Unterstützung

Die Behandlung mit Sulbutiamin erhöhte die Aktivität antioxidativer Enzyme (GSH) in den Zellen und verringerte den Gehalt an schädlichen Verbindungen (ROS) [8].

Einschränkungen und Warnungen

  • Die Mehrzahl der Studien am Menschen wurde ohne Kontrollgruppen durchgeführt.
  • Nur wenige Studien untersuchten die orale Einnahme von Sulbutiamin.
  • Einige der positiven Effekte wurden in Tier- und Zellmodellen beschrieben, jedoch fehlen klinische Daten.

Sulbutiamin Nebenwirkungen und Risken

Diese Auflistung enthält nicht alle möglichen Nebenwirkungen. Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Nebenwirkungen bemerken. In Deutschland können Sie Nebenwirkungen dem BfArm unter +49 228 993 0730 oder nebenwirkungen.bund.de melden.

Im Allgemeinen ist Sulbutiamin bei Dosen bis zu 600 mg/Tag gut verträglich [10].

Nebenwirkungen sind selten und umfassen leichte Hautallergien, leichte Unruhe (bei älteren Menschen) und Kopfschmerzen [22].

Euphorie und Schlafstörungen können in höheren Dosen auftreten [23].

In Kombination mit Antibiotika wurden Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Zittern und Schläfrigkeit bei 0,6% der Patienten in einer Studie beobachtet [10].

Sulbutiamin Präparate & Dosierung

Sulbutiaminpräparate sind vom BfArM nicht für den medizinischen Einsatz zugelassen. Im Allgemeinen gewährleisten Aufsichtsbehörden nicht Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Nahrungsergänzungsmittel einnehmen.

Die unten aufgeführten Dosierungen treffen möglicherweise nicht auf Sie persönlich zu. Wenn Ihr Arzt die Einnahme vorschlägt, arbeiten Sie mit ihm zusammen, um die optimale Dosierung entsprechend Ihres Gesundheitszustandes und anderer Faktoren zu finden.

Die Standarddosis von Sulbutiamin beträgt 200 – 600 mg/Tag. Diese Dosis sollte auf 2- bis 3-mal pro Tag aufgeteilt werden [10].

Nutzerbewertungen

Die Meinungen, die in diesem Abschnitt geäußert werden, stammen ausschließlich von Nutzern, die einen medizinischen Hintergrund haben können oder auch nicht. NootropNet empfiehlt keine bestimmten Produkte, Dienstleistungen oder Therapien. Betrachten Sie die Erfahrungen der Nutzer nicht als medizinischen Rat. Zögern oder missachten Sie es niemals, professionellen medizinischen Rat einzuholen, nur weil Sie etwas auf NootropNet gelesen haben.

Anwender berichten, dass die Wirkung von Sulbutiamin in den meisten Fällen sofort spürbar war. Positive Stimmung, Fokus und Motivation sind die wichtigsten beobachteten Wirkungen.

Andererseits sind Reizbarkeit, Schlaflosigkeit und Euphorie die an den häufigsten benannten Nebenwirkungen. Darüber hinaus spüren einige Menschen keinen Unterschied während der Einnahme von Sulbutiamin.

Nach meinem Masterstudium an der Universität Austin in Texas in Pharmakologie habe ich für einige Jahre in der Entwicklungsabteilung bei einem großen US Pharmaunternehmen gearbeitet. Danach zog es mich dann wieder an die Uni von Michigan um mit einem Doctor of Pharmacy meine akademische Laufbahn vorerst abzuschließen. Danach war ich für 3 Jahre Teamleitung in einem US Biotech Unternehmen. Seit nun 2 Jahren widme ich mich ausschließlich dem Schreiben von wissenschaftlichen Beiträgen.

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